Dialogforum Landwirtschaft und Naturschutz in unserer schönen Krebsbachaue

Dialogforum Landwirtschaft und Naturschutz in unserer schönen Krebsbachaue
Naturschutz trifft Landwirtschaft in der Rohraurer Krebsbachaue bei Gärtringen im Landtagswahlkreis Böblingen. Hier siedeln wieder Kiebitze, von 0 im Jahr 2010 jetzt 12 Brutpaare und einige Arten mehr die sich auch dort wohl fühlen. Danke für die tolle Arbeit vom NABU Gärtringen und dem Biobetrieb von Klaus Sindlinger der mit seinen Galloway Rindern die Feuchtwiesen pflegt.

Dass Naturschutz und Landwirtschaft keine grundsätzlichen Gegenspieler sein müssen, zeigte die gelungene Kooperation von Demeter-Landwirt Sindlinger aus Rohrau und den Naturschützern, die das Naturschutzgebiet, kurz NSG, Krebsbachaue betreuen. Die Kombination aus extensiver Beweidung durch Sindlingers Galloway-Rinder, Abschirmung vor Störungen durch Menschen und Prädatoren und regelmäßige Pflegemaßnahmen im Schutzgebiet erhalten einen landesweit seltenen und stark begehrten Lebensraum für viele bedrohte Arten. Eine win-win Situation nicht nur für beide Seiten, sondern auch eine Aufwertung des Naherholungsgebiets für Naturliebhaber.

Roland Steiner erklärte an der Entstehungsgeschichte des Schutzgebiets anschaulich, dass aktiver Artenschutz vor allem in der Wiederherstellung von vielfältigen Biotopstrukturen besteht, die mit der zunehmenden Besiedlung und Intensivnutzung von Flächen in den letzten 50 Jahren verloren gegangen sind. Anstatt jedoch verbliebene Naturflächen einfach sich selbst zu überlassen, geht es mehr darum, Teile der Kulturlandschaft zu erhalten. Denn die Artenvielfalt, die wir uns wünschen, hat sich im Laufe der Zeit an unsere Kulturlandschaft adaptiert und ist auf eben die vielfältigen Strukturen dieser angewiesen. Nicht nur dichter Urwald, sondern auch Kahlschlaglichtungen, gehölzfreie Uferbereiche, Brachflächen und überschwemmte Wiesen seien eben auch wichtige Lebensräume, die es dringend für Artenvielfalt braucht, so Steiner. Da solche Flächen nicht mehr als „Nebenprodukte“ extensiver Landwirtschaft entstehen, müssen sie also per se wieder hergestellt und durch gezielte Maßnahmen erhalten werden. Das impliziert teilweise eben auch Rodungen, Fällungen und Ausbaggern von Blenken . Diese Maßnahmen sind für viele Menschen im ersten Moment nicht vereinbar mit ihrer romantischen Vorstellung von Naturschutz. Auch die große Anzahl von Füchsen, die für die meisten Tierfreunden schützenswerte Schönheiten sind, stellen für die Bewahrer der Krebsbachaue ein Problem dar, das das jährliche Aufbauen eines elektrischen Zauns um die bodenbrütenden Vögel erfordert. Dass hinter solchen, teils sehr aufwändigen und intensiven Arbeiten aber das genaue Verständnis eines Ökosystems steht, wird am Erfolg des umgestalteten NSG Krebsbachaue deutlich: die Anzahl an Rast- und Brutvögeln, gefährdeten Amphibien und Insekten hat in dem geschützten Areal massiv zugenommen. Nicht nur die heimischen Arten profitieren von dem Gebiet, auch immer mehr Zugvögel haben diese Oase als Rastplatz entdeckt.

Es bleibt hoffentlich bei allen Beteiligten die Erkenntnis, dass es sich zum einen immer lohnt, in Dialog mit Gegenparteien zu treten und sich neuen Sichtweisen und Perspektiven zu öffnen. Zum anderen bleibt auch zu hoffen, dass Behörden und Entscheidungsträger in Fragen um Arten- und Naturschutz Rat annehmen von engagierten und sachkundigen Biologen und Ökologen, bevor sie sich von gesellschaftlichen Trends leiten lassen.
WK_EJ

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